Gender Monitoring (Teil 2): je höher die Karrierestufe, desto weniger Frauen

11.02.2022

An den universitären Hochschulen in der Schweiz studieren mehr Frauen als Männer. Professorinnen hingegen sind eine Minderheit. Diese Schieflage widerspiegelt sich ebenfalls bei den Gesuchen, die der SNF erhält.

Der Rückgang des Frauenanteils auf den akademischen Karrierestufen wird auch als Leaky Pipeline bezeichnet, als undichte oder lecke Rohrleitung. Die Daten des Bundesamtes für Statistik (BFS) aus dem Jahr 2020 zeigen ein eindeutiges Bild: An den Universitäten und ETH ist die Leaky Pipeline ausgeprägt - und zwar in allen Fachbereichen. In den Geistes- und Sozialwissenschaften (GSW) wie auch in den Lebenswissenschaften (LW) bilden Frauen zu Beginn und während des Studiums die Mehrheit. Bei den Professuren beträgt ihr Anteil lediglich 30% (GSW) respektive 23% (LW). In den MINT-Fächern ist die Ausgangslage anders: Hier sind die Studentinnen mit 36% in der Minderheit. Nur halb so hoch - nämlich 18% - ist der Anteil der Professorinnen.

Anteil Frauen und Männer in den GSW an Universitäten und ETH der Schweiz (2020)

BFS-Daten zu den Frauen- und Männer-Anteilen im Forschungsbereich GSW für unterschiedliche Personalkategorien an Schweizer universitären Hochschulen 2020.

Anteil Frauen und Männer in den LW an Universitäten und ETH der Schweiz (2020)

BFS-Daten zu den Frauen- und Männer-Anteilen im Forschungsbereich LW für unterschiedliche Personalkategorien an Schweizer universitären Hochschulen 2020.

Anteil Frauen und Männer in MINT an Universitäten und ETH der Schweiz (2020)

BFS-Daten zu den Frauen- und Männer-Anteilen im Forschungsbereich MINT für unterschiedliche Personalkategorien an Schweizer universitären Hochschulen 2020.

Gesuchseingaben beim SNF

Das skizzierte Bild zeigt sich ähnlich auch in den Daten des SNF, basierend auf den Gesuchen, die wir von 2018 bis 2020 erhalten haben. Die Daten beziehen sich nicht direkt auf die akademische Karrierestufe der Forschenden, sondern auf unsere Förderinstrumente. Diese erlauben es uns abzuschätzen, auf welcher Stufe sich die Gesuchstellenden befinden. In den Geistes- und Sozialwissenschaften bleibt der Anteil an Frauen über verschiedene Karrierestufen hinweg am höchsten. Nichtsdestotrotz ist auch in diesem Bereich eine deutliche Schieflage zu erkennen: Während beim Instrument Doc.CH (Doktoratsstufe) über 60% der Gesuchstellenden weiblich sind, reichen bei Ambizione (junge Forschende auf dem Weg in die Unabhängigkeit) 40% Frauen Gesuche ein. In der Projektförderung (erfahrene Forschende) beträgt ihr Anteil 34%.

Anteil Frauen und Männer an Gesuchstellenden in den GSW (2018-2020)

Frauen- und Männer-Anteile von Gesuchstellenden im Forschungsbereich GSW für die unterschiedlichen Förderinstrumente des SNF 2018-2020. Das Förderinstrument Doc.CH wird nur bei den GSW angeboten. Das Förderinstrument Doc.Mobility wurde im September 2020 eingestellt (letztes Anmeldedatum 01. Sep. 2020).

Bei den Lebenswissenschaften erkennt man ebenfalls einen deutlichen Unterschied zwischen den Anteilen an männlichen und weiblichen Gesuchstellenden. Beim Förderinstrument Doc.Mobility sind Frauen mit 60% in der Mehrheit. Bei Ambizione beträgt ihr Anteil wie bei den GSW 40%, in der Projektförderung nur 26%.

Anteil Frauen und Männer an Gesuchstellenden in den LW (2018-2020)

Frauen- und Männer-Anteile von Gesuchstellenden im Forschungsbereich LW für die unterschiedlichen Förderinstrumente des SNF 2018-2020. Doc.Mobility wurde im September 2020 eingestellt (letztes Anmeldedatum 01. Sep. 2020).

Im Bereich Mathematik, Informatik und Technik (MINT) zeigt sich ein anderes Bild. Zwar nimmt auch hier der Frauenanteil über die verschiedenen Karrierestufen ab, allerdings weniger stark als in den anderen beiden Fachbereichen. Auffällig ist im MINT-Bereich eher, dass schon bei Doc.Mobility nur 27% der Gesuchstellenden Frauen sind. Diese Zahl bleibt relativ stabil und sinkt erst bei der Projektförderung auf 15%.

Anteil Frauen und Männer an Gesuchstellenden in MINT (2018-2020)

Anteil steigern

Die Leaky Pipeline ist also auch bei den Förderinstrumenten des SNF ausgeprägt. Der Anteil an Forscherinnen, die ein Gesuch um Finanzierung einreichen, ist auf den späteren Karrierestufen zu gering. Mit einer Reihe von Massnahmen versuchen wir seit einigen Jahren dies zu ändern. Dazu gehören zum Beispiel zusätzliche finanzielle Leistungen für Eltern, oder dass wir in SNF-unterstützten Projekten Teilzeitarbeit ermöglichen. Wir fördern ebenfalls explizit Professuren von Frauen. Die Wirkung dieser Massnahmen beobachten wir genau und werten sie aus. Zusammen mit den Massnahmen der Hochschulen sollen sie dazu führen, dass mehr Frauen eine Karriere in der Wissenschaft verfolgen.

Serie zum Gender Monitoring des SNF

Der SNF analysiert systematisch die Anteile der Frauen und Männer in seinen Förderinstrumenten. Mit Hilfe dieses Gender Monitorings wollen wir unsere Auswahlverfahren und unser Angebot so weiterentwickeln, dass Frauen möglichst gleiche Chancen haben. In einer kleinen Serie stellen wir ausgewählte Daten vor und beleuchten unterschiedliche Aspekte.

Teil 1: So schneiden Frauen in der Projektförderung ab

Daten, Text und Code dieser Datengeschichte sind auf Github verfügbar und auf Zenodo archiviert. DOI: 10.46446/datastory.leaky-pipeline